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    "AlphaKommunal": Kreisvolkshochschule stellt Horst Hrubesch als Projektpaten vor (03.04.2014)

    Mit dem Paten des Projektes, Horst Hrubesch, steht seit Kurzem ein überregional bekannter Unterstützer für das Thema Grundbildung hier im Landkreis Uelzen fest. Und damit war das Motto schnell gefunden, es lautet „Lesen und Schreiben – immer am Ball bleiben“. Seit März 2013 steht der Landkreis Uelzen als einer der drei Modellstandorte für das Projekt „AlphaKommunal“ fest. Ein Anlass für die Leiterin der KVHS, Almke Matzker-Steiner, und die Grundbildungsbeauftragte, Anja Ostermann, im Beisein des Landrates und Schirmherrn des Projektes, Dr. Heiko Blume, auf das vergangene Jahr und wichtige Meilensteine im Projektverlauf hinzuweisen.

    Horst Hrubesch (3.v.l.) unterstützt das Projekt - ganz zur Freude von Almke Matzker-Steiner (v.l.), Ulf Frohloff, Landrat Dr. Heiko Blume sowie Anja OstermannWie wichtig es ist, seine Lese- und Schreibfähigkeiten ein Leben lang zu trainieren, zeigen die Ergebnisse der "leo.-Level-One-Studie" aus dem Jahr 2011 ebenso wie die Ergebnisse der "PIACC-Studie" des vergangenen Jahres. Es sind vor allem ältere Personen über 50 Jahre, die nicht ausreichende Grundbildungskompetenzen haben. Und so wie fast alle Dinge, die in frühem Alter erlernt wurden, kann auch die Kompetenz, lesen und schreiben zu können, verlernt werden, wenn sie nicht regelmäßig trainiert wird. Von den rund 7,5 Millionen "Funktionalen Analphabeten" können laut der "leo.-Level-One-Studie" 5,2 Mio. Menschen nicht hinreichend lesen und schreiben, so dass sie nicht im ausreichenden Maß am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Die aus der Studie ermittelten Werte auf den Landkreis Uelzen heruntergebrochen bedeuten, dass von den etwa 7.500 "Funktionalen Analphabeten" 5.200 nur rudimentär kürzere Texte lesen und sinnerfassend verstehen können.

    In den vergangenen Monaten wurde auf verschiedenen Ebenen gearbeitete, berichtet die Grundbildungsbeauftragte. So wurden zunächst mit zwei Kollegen des Landkreises wichtige Akteure in den kommunalen Verwaltungen des Landkreises identifiziert, angesprochen und von Ostermann über das Projekt und das Thema des funktionalen Analphabetismus informiert. Die Kommunen als Ansprechpartner für Bürger/-innen, als Arbeitgeber/-innen und auch als Auftraggeber/-innen haben vielfältige Möglichkeiten, Betroffene zu erreichen. Hinzu kam die Information über die überregional konzipierte Fortbildungsmöglichkeit für kommunale Beschäftigte. Die Fortbildungen finden unter wissenschaftlicher Begleitung der Universität Koblenz seit März 2014 statt. Bisher wurden 20 kommunale Beschäftigte, sowohl Personalverantwortliche als auch Mitarbeiter/-innen im Bürgerkontakt zum Thema „Erkennen, Ansprechen und Informieren von funktionalen Analphabeten und Analphabetinnen“ fortgebildet. „Es kommt schon vor, dass jemand im Rahmen der Fortbildung bemerkt, dass er von einer bestimmten Person regelmäßig um Unterstützung beim Lesen oder Schreiben gebeten wurde, und dies vielleicht ein Hinweis auf unzureichende Grundbildungskompetenz ist“, so Anja Ostermann. Die Fortbildungen sollen Sicherheit geben im Umgang mit Betroffenen. Für weitere 50 Personen sind Fortbildungen geplant.

    Flankiert werden die Fortbildungen von der Entwicklung arbeitsplatzbezogener Schulungsangebote in den Kommunen in Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Grundbildungsbeauftragten. Durch die bisherige Öffentlichkeitsarbeit sowie die Einrichtung einer Info-Hotline bei der KVHS konnten schon in den vergangenen Monaten Betroffene erreicht werden, für die inzwischen in zwei Unterrichtsgruppen Grundbildungsunterricht angeboten wird. Dieses Angebot wird nach Ostern auf verschiedene Unterrichtszeiten (vormittags und abends) ausgeweitet, um Berufstätigen die Möglichkeit zu geben, Unterricht und Arbeitszeit miteinander vereinbaren zu können. „Es ist äußerst positiv, dass das Thema Grundbildung im Landkreis langsam Raum greift, denn ich werde von verschiedenen Menschen in unterschiedlichen Zusammenhängen angesprochen und kann beratend und vermittelnd tätig werden“, so Anja Ostermann. Ein Wunsch, aber auch Ziel ist es, den Grundbildungsunterricht auch dezentral anzubieten, denn nicht für alle Betroffenen ist die Kreisstadt erreichbar.

    In den kommenden Monaten wird die Erarbeitung einer kommunalen Strategie für Grundbildung ein zentrales Thema sein. Das Ergebnis dieses Prozesses wird dann so genannten „Transfer-Kommunen“ als Handreichung zur Verfügung gestellt, so dass andere Kommunen, die ebenfalls den Fokus auf die Entwicklung einer kommunalen Strategie für Grundbildung legen, auf die Erfahrungen der Modellstandorte (Kaiserslautern, Potsdam, Landkreis Uelzen) zurück greifen können. Ein erstes Zwischenergebnis der Grundbildungsbeauftragten: „Es braucht einen langen Atem und viele Gespräche, um auf das Thema aufmerksam zu machen, aber das heißt nicht, dass niemand Grundbildung braucht! - Im Gegenteil: Die Kreativität und Phantasie, die oftmals sehr gute  Konzentrations- und Merkfähigkeit von funktionalen Analphabeten sollte in unserer Gesellschaft viel mehr Raum erhalten, im Privaten genauso wie im Berufsleben“.

    Und um noch mehr Menschen für das Thema Grundbildung zu erreichen, konnte mit Horst Hrubesch eine über die Region hinaus bekannte (und anerkannte!) Persönlichkeit aus dem Landkreis gewonnen werden, der bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch seine Trainertätigkeit und bei älteren Bürger/-innen durch seine Tätigkeit als aktiver Spieler einen hohen Bekanntheitsgrad innehat. Als Projektpate unterstützt er die Grundbildungsarbeit der KVHS am Modellstandort Uelzen z. B. durch öffentliche Auftritte für das Projekt, durch Grußbotschaften an die Betroffenen, oder vielleicht bei der Eröffnung der Uelzener Tage der Alphabetisierung 2014, wenn es sein Terminplan als DFB-Trainer zulässt.