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    Lebensmitteleinzelhandel: Gutachten bewertet Versorgungsstruktur im Landkreis (18.02.2009)

     Die Entwicklungsmöglichkeiten für die Versorgung mit Lebensmitteln im Landkreis Uelzen werden in den nächsten Jahren durch die absehbare Bevölkerungsentwicklung erschwert. Das ist ein Ergebnis eines Gutachtens, das der Landkreis Uelzen und die dem Kreis angehörenden Städte und Gemeinden in Auftrag gegeben hatten. „Vor dem Hintergrund der Sorge um einbrechende Versorgungsstrukturen in bestimmten Teilen des Landkreises sollte das Gutachten ausloten, welche Entwicklungspotenziale wir noch haben“, erklärt dazu Joachim Partzsch, Leiter des Kreisplanungsamtes.

    Inzwischen liegt das so genannte „Nahversorgungskonzept für den Landkreis Uelzen“ den Auftraggebern vor. Auf knapp 70 Seiten analysiert und bewertet das Gutachten die Situation im Lebensmitteleinzelhandel – sowohl bezogen auf den gesamten Landkreis als auch auf die einzelnen Gemeinden. Um z. B. festzustellen, wo weiterer Bedarf an Lebensmittelversorgern besteht oder künftig entstehen wird, hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH Ludwigsburg sowohl Betriebe als auch Kunden befragt. Dabei wurden auch die prognostizierten Bevölkerungszahlen der nächsten Jahre berücksichtigt.

    Als Ergebnis ihrer Untersuchungen schlagen die Experten vor, in fast allen größeren Kommunen des Landkreises vorrangig die seit Jahren dort ansässigen Supermärkte zu erweitern. Auf diese Weise könne eine ausreichende Versorgungsqualität gewährleistet werden, heißt es dazu in dem Konzept. Als wettbewerbsfähige Größe moderner Vollversorger nennt das Konzept eine Verkaufsfläche von mindestens 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche.

    Um entsprechende „strukturelle Defizite“ in den Samtgemeinden Rosche und Wrestedt zu beseitigen, ist nach Ansicht der Gutachter dort die Ansiedlung eines Lebensmitteldiscounters erforderlich.

    Zusammenfassend heißt es in dem Konzept:

    Vor dem Hintergrund sinkender Einwohnerzahlen „leiten sich positive Nachfrageimpulse der Wohnbevölkerung mit Ausnahme von Bienenbüttel nicht mehr ab, vielmehr werden die Entwicklungsmöglichkeiten eher begrenzt“.

    Die dünne Besiedlung und die geringen Einwohnerzahlen in den meisten Ortsteilen erschweren laut Gutachten den Aufbau einer möglichst wohnortnahen Versorgungsstruktur aufgrund der fehlenden wirtschaftlichen Tragfähigkeit. Insofern sei eine Konzentration der Angebote auf die jeweiligen Hauptorte erforderlich. Wörtlich heißt es dazu: „Ansatzpunkte zum Ausbau der Nahversorgung leiten sich eher dann ab, wenn bereits kleine Nahversorgungsbetriebe bestehen, die auch unter Einbeziehung ergänzender Dienstleistungsangebote ausgebaut werden können.“ Bedingt durch die geringe Umsatzrendite im Lebensmitteleinzelhandel sei die Entwicklung neuer Kleinflächen und das Finden eines geeigneten Kaufmanns ausgesprochen schwierig.

    In die Untersuchung einbezogen waren insgesamt 217 Betriebe im Nahrungs- und Genussmittelsektor mit einer Gesamtverkaufsfläche von ca. 48.800 Quadratmetern. Davon entfallen etwa ein Drittel aller Betriebe und etwa die Hälfte der Verkaufsfläche auf das Mittelzentrum Uelzen.

    Die Ergebnisse der Analyse wurden bereits zwischen Vertretern der Kommunen und den Sachverständigen diskutiert und bewertet. Das vorliegende Konzept wird künftig als Basis für die Bauleitplanung der Kommunen und für das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Uelzen dienen. Darüber hinaus kann es als Grundlage für die raumordnerische und städtebauliche Beurteilung von konkreten Ansiedlungsvorhaben herangezogen werden.